
Hilary und ihre 8 schnellen Ruderinnen

Belvoir überholt Mortlake und Cambridge im Endspurt

Belvoir B macht sich bereit

Alle Belvoirfrauen in London
Women’s Eight Head of the River Race 2012: Bestes Schweizer Resultat aller Zeiten
Am Anfang unseres Ausflugs stand die Arbeit - der Freitag war für alle ein harter Tag. Ein sehr früher Flug nach London, dann nach kleiner Stärkung in Putney gleich zu unserem Gastclub, dem King's College. Wir nehmen unsere zwei Achter in Empfang, wobei einer davon eine leicht schmutzigere Kopie unseres Spirit ist und der andere genau der Achter, den wir in ein paar Monaten bekommen werden. Niklaus Schärer, Fabiane Albrechts Freund und Trainer und der Chronist sind den ganze Rest des Tages mit Bootseinstellungen und Trainingsbesprechungen beschäftigt. Am Nachmitttag trifft unsere Ersatz-Steuerfrau ein, Hilary Cook, und macht ihr erstes und einziges Training mit dem Debbie-Achter. Debbie Bregenzer hat sich vor zwei Wochen bei einem Skiunfall beide Knie gebrochen und musste zum ersten Mal seit langer Zeit die Steuerseile abgeben. Zum Abschluss des Tages gab es Team-Pizzaessen, wobei wir in den Genuss einer sehr lauten englischen Gesellschaft kamen, was uns eher zurückhaltende Schweizer noch störte. Nur wenige Stunden später sollten wir alle aber auch sehr laut werden...
Der Start des Rennens am Samstag war heuer schon um 11 Uhr, daher füllten alle ihre Energiespeicher beim Frühstück und machten sich dann auf den Weg zur Themse. Um 10 Uhr waren unsere beiden Achter draussen, die Startnummer 11 mit Hilary, Angelina Casanova, Martina Ernst, Jolanda Hofschreuder, Yvonne Wäger, Fabiane Albrecht (SC Thun), Stéphanie Lindner, Ulrike Lohmann und Jenny Weinkopf als die sehr Themse-Erfahrenen; alle neun der Nummer 184 mit Steuerfrau Sonja Heule, Nora Kägi, Claire Herrmann, Rebecca Sasso, Gessica Gambaro, Fiona Welti (RC Erlenbach), Siret Saarsalu (SC Zürich), Petra Petikova und Xenia Klaus fuhren zum ersten Mal zum Start des Women’s Head.
Hilarys Achter zeigte das beste Rudern nach den wenigen gemeinsamen Trainings: sie stürmten mit Schlagzahl 34-35 über die erste Streckenhälfte, hielten sich so die Favoritinnen von Thames RC vom Leib und überholten bei der Streckenhälfte das erste Boot, Upper Thames aus Henley. Unter der Hammersmith Bridge setzte kurz Gegenwind ein, unser Achter behielt aber die Schlagzahl hoch und Hilary konnte den Ruderinnen über die Gegnerinnen vor ihnen vermelden: “They are all coming back!”. Nichts konnte den Belvoirachter mehr stoppen, ein weiteres Boot musste weichen, und bei Fulham fuhren sie auf zwei weitere Boote auf, Cambridge und Mortlake. Jenny am Bug schrie Cambridge zur Seite, Hilary schlängelte sich zwischen diesen zwei durch, Thames war bei dieser Aktion leicht näher gekommen, aber noch immer war da offenes Wasser und der Weg frei für einen Endspurt, bei dem Angelina die Kadenz nochmals erhöhte und den Endspurt von Thames konterte ... Was für ein Rennen, und das an der Spitze des Feldes! Nun spekulierten wir: Thames hatte wahrscheinlich ein wenig Wasser gutgemacht, aber wie sah es mit den anderen Gegnerinnen aus? Die Italienerinnen mit Startnummer drei hatten schwerfällig ausgesehen, hatten sie sie diesmal wieder geschlagen und ihnen das Overseas Pennant - den Preis fürs beste ausländische Boot - wieder abgenommen? Und wie war der Vergleich mit Imperial College, das mit Nummer 2 die Reading University an der Spitze überholt hatte?
Fast eine Stunde dauerte es, bis Sonjas Achter unter der Hammersmith Bridge erschien, alleine auf weiter Flur. Sie hatten ein ganz anderes Rennen: vor ihnen startete die britische Junioren-Nationalmannschaft, die freie Fahrt bekam, indem man eine Pause von zweieinhalb Minuten einplante. Diese Auswahl sollte aber nur 10 Sekunden schneller sein als Sonjas Achter. Nach einem wackligen Start kam Sonjas Achter gut in Fahrt und setzte sich kontinuierlich von einem spanischen Achter ab. Im Endspurt, kämpferisch und bereits gezeichnet vom Wettkampf, aber angefeuert von den längst gelandeten Ruderinnen des Hilary-Achters fuhren sie gar auf die Nummer 177 auf. Wegen der Trockenheit in Südengland und einer “low tide” hatte Sonjas Achter bereits fast keine Mitströmung mehr.
Nachdem die Boote versorgt waren, ging es – und nun wurden wir sehr britisch – ins Duke’s Pub, wo wir die letzten Boote des Rennens eintreffen sahen. Mit Burger and Beer machten wir die Wartezeit kürzer, doch die immer kürzeren Abstände, in denen Handys überprüft wurden, zeigten die Anspannung. “Die Resultate sind da!” rief Jenny auf einmal. Ätzend lange erschienen uns die Sekunden, in denen die Seite geladen wurde, doch dann stand das Pub Kopf: zweiter Platz, sechs Sekunden hinter Thames! Overseas Pennant! Der Tisch und die Gläser kamen bedrohlich in Schieflage, alle standen oder vielmehr sprangen und jubelten ohrenbetäubend, nun ganz und gar an englische Traditionen assimiliert. Es dauerte eine Weile, bis wir uns gleich nochmals freuen konnten, nämlich über den 35. Rang von Sonjas Achter, nur 70 Sekunden hinter Hilarys Achter, und das wegen der hohen Startnummer bei weniger Strömung. Nicht nur der erste, auch der zweite Achter war noch nie so gut platziert wie dieses Mal.
Für alle, die es genau wissen wollen, hier die Belvoir-Geschichte am Frauen-Head:
1998: 10. von 236, Overseas Pennant
1999: 4. von 237, Overseas Pennant
2000: keine Teilnahme
2001: 14. von 221, Overseas Pennant
2002: Rennen abgesagt
2003: 22. von 262, Overseas Pennant
2004-2005: keine Teilnahme
2006: 177. von 265 (Freshmen)
2007: 18. von 277
2008: 11. und 63. von 234, Overseas Pennant
2009: 8. und 49. von 284, Overseas Pennant
2010: 5. und 56. von 289, Overseas Pennant
2011: 13. von 296
2012: 2. und 35. von 287 klassierten, Overseas Pennant
Hier geht’s zu den Resultaten: http://www.wehorr.org/results.htm
Camille Codoni

